Wir werden alt - Früher war alles besser...

21.8.17

Diesen Satz hat man früher von den älteren Herrschaften gehört und getrost die Augen verdreht. Seit früher sind für mich allerdings gerade einmal sieben bis zehn Jahre ins Land gezogen. Wann ich früher also für unsere Generation datieren würde? Die Zeit vor dem Smartphone. Damals, als es noch kein Instagram und Snapchat gab, als man sich in Nachrichten noch an 140 Zeichen halten musste solange man sich keine SMS-Flatrate leisten konnte und damals, als es das Wort Influencer maximal die falsche Aussprache für Grippe war.



Ich bin ein absoluter Smartphone-Junkie. Ich hänge bestimmt den halben Tag nur an diesem kleinen Suchtgerät und schreibe mit Freunden, kommentiere und like auf Instagram, spiele PokemonGo oder telefoniere. Kurz und knapp gesagt: ich will mir ein Leben ohne Smartphone eigentlich nicht mehr vorstellen. Dennoch bin ich erst vor kurzem mit einer Freundin wieder dagesessen und es wurde über die guten alten Zeiten vor der Digitalsierung gequatscht. Ein paar Beispiele, die der ein oder andere 90er auf jeden Fall noch in Erinnerung hat.

1. Verabredungen
Heutzutage eröffnet man eine WhatsApp-Gruppe, schickt eine Runde "wer will, wann und wo" und guckt mal auf gut Glück, wer tatsächlich auftaucht. Zu spät kommen ist auch kein Problem mehr, immerhin stehen wir in ständigem Kontakt mit einander und irgendeiner aus der Gruppe zieht das Smartphone für ein obligatorisches Selfie schon mal heraus.
Damals hat man noch mit einander telefoniert, meist nur sehr kurz, da telefonieren zur Steinzeit noch verdammt teuer war. Ja. Auf dem Festnetz zu einem anderen Festnetztelefon - das hat mal wirklich Geld gekostet. Die Hardcoreler unter uns hingen dabei sogar noch an der Schnur. Es wurde im Eiltempo einen Treffpunkt vereinbart und wer nicht da war oder viel zu spät kam hatte eben Pech.

2. Dating, Liebesleben und Datingapps
Swipen und matchen gab es damals leider nicht. Stattdessen sind wir tatsächlich raus vor die Tür gegangen und haben uns von Angesicht zu Angesicht verabredet um uns näher kennen zu lernen. Damals hat man sich übrigens auch noch getraut jemanden auf der Straße oder auf dem Schulhof anzuquatschen, ohne sofort mit einer Anzeige wegen sexueller Belästigung rechnen zu müssen. Natürlich gab es auch damals schon Onlinedating. Mit dem Modem. Nachdem man sich ins Internet eingewählt hat. Und ein Fünf-Gänge-Menü gekocht hat. Knuddels und Chat4Free waren unser Tinder. Etwas später hat man dann übrigens keine Handynummern sondern ICQ Nummern ausgetauscht und stundenlang am PC gechattet. Aber irgendwie war es cool.

3. Tattoos und Piercings
Ja, gut ich gebe zu ich komme aus der Generation Arschgeweih und Bauchnabelpiercing, aber damals waren Tattoos die große Ausnahme. Man hat die Leute, die sich wirklich eines stechen ließen ehrfürchtig bewundert. Piercings waren je nach Position etwas für Tussis oder Punker. Heutzutage bist du verdammt langweilig, wenn du keine Piercings und Tattoos vorzeigen kannst. Hat schließlich jeder.

4. Alkohol und Vorglühen
Könnt ihr euch noch an die Zeiten erinnern, als das einzige alkoholische No-Go der Kasten Öttinger war? Wir waren jung, hatten kein Geld und der Kater am nächsten Morgen war uns egal. Damals war das Motto definitiv Quantität statt Qualität.
Heutzutage schürzt man die Lippen, wenn die Gastgeberin keinen Käfer Hugo serviert. Die restliche Plörre trinken? Aber nur wenn es gar nicht anders geht. Bei Schnaps fang ich lieber erst gar nicht an. Dabei waren die spontanen Partys mit billigem Alkohol von der Tanke im Nachhinein doch irgendwie die Besseren.

5. Serien gucken
Ich kann mich noch so gut daran erinnern, als es nur einen Fernseher zu Hause gab und ich mich mit meinem Dad regelrecht einmal die Woche um 20:15 um den Sender geprügelt habe. Neue Folge Charmed auf ProSieben. Wer sie verpasst hat hatte damals noch die Möglichkeit die Wiederholung um 2 Uhr Morgens auf VHS aufzunehmen. Ja, das waren diese großen viereckigen Kästen mit den schwarzen Bädern drinnen, die der Videorokorder mit Vorliebe gefressen hat. Später nochmal online auf Netflix oder Amazon Prime streamen? Ja schön wär's gewesen. Dafür waren die gemeinsamen Serienabende mit Freundinnen damals unbezahlbar.

6. Google Maps und Landkarten
In 200m eine der beiden rechten Spuren wählen und abbiegen. - Ganz so professionell hab ich mich im Auto auf dem Rücksitz, während ich meinen Dad aus einer riesigen Straßenkarte heraus navigiert habe, wohl nie angehört. Da meiner Mum vom Lesen während der Fahrt allerdings schlecht wurde, blieb meinem Dad nur die Wahl alle 50km anzuhalten und zu gucken, ob er sich an die richtige Kombination aus Straßenschildern erinnert hatte, oder auf die Navikünste einer Achtjährigen zu vertrauen. Jap, ich kann tatsächlich bis heute noch Karten lesen und nutze Google Maps so gut wie nie mit Navifunktion. Ich seh mir fast immer nur die Karte an um selbst zu entscheiden, welchen Weg ich nehmen möchte. Komfortabel ist dabei, dass ich die Karte nur noch weiterwischen und nicht mehr ständig umblättern muss und den aktuellen Standpunkt aus den Augen zu verlieren.

7. Fotografie
Meine allererste Kamera hab ich von meinem Dad bekommen. Sie hatte einen 36 Bilder Film, ein Rädchen zum drehen und einen Blitz, dessen Ladezeit ich manchmal nicht mehr erlebt habe. Und sie war toll. Damit hat mein Dad in mir die Leidenschaft fürs Fotografieren geweckt und mir unzählige Filme kaufen müssen. Ich hab schon damals diese Begrenzung nicht nachvollziehen können.
Deswegen zur Abwechslung mal ein Hoch auf die Neuzeit! Ich liebe es 128GB SD-Karten mit Bildern vollzuspamen und nicht darüber nachdenken zu müssen, wie viele spannendere Motive möglicherweise noch kommen könnten.

Ihr Lieben ich hoffe ich konnte euch zumindest mit einigen wenigen Dingen aus meinem Teenageralltag vor dem Smarphone erheitern und ich habe garantiert zig andere Momente vergessen. Die dürft ihr gerne für mich ausgleichen! Was gefiel euch "früher" irgendwie besser? Oder seid ihr froh, dass es mittlerweile nicht mehr so ist? Lasst es mich unbedingt wissen!





× By Heidi ×

Schon 26 Jahre und trotzdem noch nicht erwachsen. Ein kleines bisschen verrückt mit großem Herz und vor allem großer Klappe, bin ich gepaart mit sehr viel Kreativität für jeden Blödsinn zu haben. Lippenstift und Jacken sind meine nicht ganz so geheime Leidenschaft, irgendwo will man dem Klischee des Mädchens ja doch gerecht werden.

Als kleines Landei pendle ich so ziemlich jeden Tag zwischen Dorf und Großstadt hin und her und weigere mich weiterhin, mich entwurzeln zu lassen. Von mir gibt's auf jeden Fall eine ordentlich Portion schonungslose Wahrheit und eben alles, was mir täglich so entgegen springt und mich begeistert.

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7 Kommentare

  1. Ach ich weiß gar nicht ob früher alles unbedingt besser war. Es ist doch auch toll, dass sich so viel verändert sonst wäre es doch auch langweilig und man hätte seinen Kindern nichts zu erzählen ;) Wir haben am Wochenende mal Lieder unserer Kindheit und Jugend angehört und habe sooo sehr gelacht :D Also die Musik war schon 'besser' ;)

    Liebe Grüße
    Nadine von tantedine.de

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  2. Wie recht du mit deinen beispielen hast! Ich kann mich auch noch gut daran erinnern, wie ich früher immer pünktlich nach Hause musste, wenn ich die neue Folge Buffy gucken wollte. :D Das waren noch Zeiten!
    Aber muss ja nicht zwangsläufig jetzt schlechter sein. ich weiß es auch zu schätzen, dass ich mir vieles jetzt zeitlich besser einteilen und flexibler handhaben kann. Dank Internet und Smartphone. :)

    Liebe Grüße
    Sarah

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  3. Witzig, nun bin ich locker 10 Jahre älter als du, aber scheinbar macht das nicht so viel aus. Ich würde nur sagen, dass Piercings nicht unbedingt nur bei Tussis oder Punks angesiedelt waren. Ich glaube eine echte Revolution erführen sie durch die 90er Raverszene.
    Super Punkte, ich hab nen Flashback :D Digitalisierung hat seine Vor- und Nachteile oder?

    Liebe Grüße, Stefanie*

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  4. Danke für deine Gedanken! Die Diskussion habe ich eigentlich immer mit meinen Kunden.Fazit der Gespräche ist eigentlich immer: Es ist nicht so, dass früher alles besser war. Es ist nur anders. Alles hat seine Vor- und Nachteile und das was wir jetzt asl "früher war es besser" bezeichnen, hat uns höchstwahrscheinlich damals richtig aufgeregt - auch wenn man das im Heute dann nicht mehr wahrhaben möchte.

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  5. Hey du.
    Die Zeiten ändern sich und vieles was es früher gab, vermisse ich aber es ist eben, wie es ist. Früher war mit Sicherheit auch nicht alles besser und da denke ich zurück an die Zeit in der meine Großeltern so alt waren, wie mein Mann und ich es gerade sind. Ich glaube nicht, auch weil ich ihre Erzählungen kenne, dass nicht alles besser war in ihrem Leben. Es wurde uns mit der Zeit vieles vereinfacht, vieles haben wir im Überfluss.

    Liebsten Gruß,
    Sandra.

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  6. Früher war alles besser...die Kindersendungen waren vernünftiger, das Essen schmeckter besser, Kinder hatten noch benehmen und und und...dass könnte so den ganzen Tag weiter gehen. Es hat sich wirklich vieles verändert. Wir können nur froh sein, dass wir diese Zeit miterleben durften. Die Technik dominiert momentan unser Leben.

    Wer weiß wie es in den nächsten 10 Jahren aussehen wird :)

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  7. Oh ja ... ich kenne den Satz auch nur zu gut! Und ja ... so viel hat sich verändert, da möchte man manchmal gerne wieder die Augen überdrehen, aber missen möchte ich die neue Technologie auf keinen Fall. Schöner Beitrag, der mich zum Schmunzeln gebracht hat ;)

    Ganz liebe Grüße
    Marjorie

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